Aktuelle Preisaufgaben
Preisaufgabe aus Der Sprachdienst, Heft 6/2009
Jedwede Sprachverwendung ist fehleranfällig. Wer auch immer spricht oder schreibt, macht Fehler. Manche werden bemerkt und korrigiert, andere unterlaufen ganz unbewusst. Besonders auffällig und auch von der Sprachwissenschaft recht gut erforscht sind die Versprecher. Fehlleistungen kommen aber nicht nur in der mündlichen und schriftlichen Sprachproduktion vor, sondern auch bei der Sprachwahrnehmung.
Man kann sich also nicht nur verschreiben und versprechen, sondern auch verhören und verlesen. Im Grunde ist auch dies altbekannt, wie folgender Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg zeigt: »Er las immer Agamemnon statt angenommen, so sehr hatte er den Homer gelesen.« [Lichtenberg: Aus den »Sudelbüchern«. Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, S. 69434 (vgl. Lichtenberg-SuB Bd. 2, S. 167) www.digitale-bibliothek.de/band1.htm].
Während es Lichtenberg womöglich vor allem darum ging, sich mit diesem Aphorismus über eine allzu große Bildungsbeflissenheit zu mokieren, ist die Beobachtung aber auch in sprachlicher Hinsicht ebenso treffend wie interessant: Nicht immer erfassen wir richtig, was wir hören oder lesen, in aller Regel versuchen wir jedoch, auch dem nur teilweise Verstandenen irgendeinen Sinn zu geben. Wenn man also ein Wort beim Lesen nicht richtig erkennt, nimmt man es, wie im zitierten Aphorismus, nicht als eine beliebige und sinnlose Folge von Buchstaben wahr, sondern setzt sich ein anderes Wort im Kopf zusammen.
Ähnliches kann auch beim (Ver-)Hören passieren. So wunderte sich einmal eine Fernsehzuschauerin darüber, dass eine Brauerei als Sponsor einer Sportsendung ihr Bier als eines mit »fast frischem Geschmack« bewarb. Gemeint war »fassfrischer« Geschmack, ein Wort, das der Zuschauerin so unvertraut war, dass sie es erst richtig verstand, nachdem ihr das gehörte »fast frisch« als Werbebotschaft doch allzu unwahrscheinlich erschien.
Bestimmt finden Sie auch in Ihrem sprachlichen Umfeld unterhaltsame und interessante »Verleser« oder »Verhörer«. Bitte senden Sie Ihre Vorschläge bis zum 28. Februar an:
Gesellschaft für deutsche Sprache
Spiegelgasse 13
65183 Wiesbaden
E-Mail: sprachdienst@gfds.de
Jahrespreisaufgabe 2010
Auch im Jahr 2010 möchten wir alle Leserinnen und Leser auffordern, sich an der Sammlung der Wörter des Jahres zu beteiligen. Interessiert sind wir an Wörtern, die im Laufe des Jahres besonders in Erscheinung treten, in neuen Bedeutungen verwendet werden oder besonders präsent sind.
Senden Sie uns Material (bitte mit genauer Angabe der Quelle, inklusive Seitenzahl) bis zum 1. Dezember 2010 an:
Gesellschaft für deutsche Sprache
Spiegelgasse 13
65183 Wiesbaden
E-Mail: sprachdienst@gfds.de
