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Gesetze verständlicher formulieren
Gesellschaft für deutsche Sprache startet mit Bundestags-Politikern in Berlin ein Modellprojekt

von Gabriele C. Jung (Wiesbadener Tagblatt)

Viele Aktivitäten der von Wiesbaden aus bundesweit wirkenden Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) sind den Bürgern bekannt. Dazu gehören die Wörter und Unwörter des Jahres, die viel gefragte telefonische Sprachberatung und die Arbeit in den Zweigvereinen Auch der Medienpreis für Sprachkultur ist ein Begriff. Deshalb tut es Wiesbaden gut, dass er auch am heutigen Samstag erneut im Kurhaus verliehen wird – an Günther Jauch und Giovanni di Lorenzo.

Doch wie einst in Bonn, so wirkt jetzt ein Redaktionsstab der GfdS beim Deutschen Bundestag in Berlin. Dort wurde in dieser Woche ein Modellprojekt auf den Weg gebracht, das ab 2007 greifen soll. Im Mittelpunkt steht die Verständlichkeit von Gesetzestexten, um dem Bürger im Alltag etwa bei der Pflegeversicherung oder Harz IV das Leben zu erleichtern.

Es war im Jahr 1966, als der damalige Bundestagspräsident Dr. Eugen Gerstenmaier wegen der Unverständlichkeit der Rechtstexte den Redaktionsstab der GfdS einrichtete. Mit dem Umzug des Bundestags nach Berlin steigerte sich der Arbeitsanfall für das Redaktionsteam beträchtlich. Sein Domizil befindet sich im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, das räumlich direkt mit dem Bundestag verbunden ist. Der Sitz der Gesellschaft bleibt in Wiesbaden, doch eine halbe Stelle wurde wegen des hohen Bedarfs nach Berlin verlegt. Dort wirken als Leiterin die Sprachwissenschaftlerin Stephanie Thieme – außerdem auch Volljuristin – und ab 1. Juni zudem die Linguistin Dr. Sibylle Hallik. Beider Aufgabe besteht darin, dass alle vorgelegten Gesetzesentwürfe mit Blick auf Verständlichkeit und sprachliche Richtigkeit geprüft werden müssen. Dabei hilft die zusätzliche Kompetenz der Juristin.

Die Geschäftsführerin der GfdS, Dr. Karin M. Eichhoff-Cyrus war soeben eine Woche in Berlin zu einem Treffen mit Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse und weiteren Bundestagsabgeordneten beinahe aller Parteien. Anlass für die Begegnungen war ein Modellprojekt. Es sieht vor, dass die GfdS einen Gesetzentwurf bis zur Verabschiedung begleitet. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den Vertretern des Bundestags, der Großen Koalition und des Justizministeriums. Das Modell soll ab 2007 greifen.

Bereits am 9. Mai wird die Geschäftsführerin ihr schönes Domizil in der Spiegelgasse 13 wieder in Richtung Berlin verlassen. Alle an dem Modellprojekt Beteiligten treffen sich und suchen gemeinsam einen oder zwei Gesetzestexte aus, die für das Vorhaben Modell-Charakter besitzen und sprachlich begleitet werden. Während die Arbeit des Redaktionsstabs in Bundestag, Bundesrat und Ministerien meistens intern abläuft, soll dessen wichtiges Wirken auf diesem Weg verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen.

Um dies auch auf anderer Ebene auszulösen, lädt die GfdS zusammen mit dem Deutschen Sprachrat Mitte November in Berlin zu einem öffentlichen Symposium ein. Es steht unter dem Thema »Verständlichkeit der Rechtssprache«. Dr. Eichhoff-Cyrus freut sich besonders deshalb über dieses Vorhaben, weil sie meint: »Vielleicht wollen wir ja alles immer zu akkurat haben und versperren uns den leichten Weg.«

Der Redaktionsstab der GfdS unterhält auch ein internes Sprachberatungs-Telefon für Bundestag und Bundesrat sowie Ministerien und Behörden in Bund und Ländern. So steht es an der Tagesordnung, dass ein Bundestagsabgeordneter mal kurz ,»rüber« kommt, um Gesetzestexte mit Sprachwissenschaftlerin und Juristin zu diskutieren. Diese Atmosphäre und Erfahrungen schätzt auch die Geschäftsführerin. Deshalb arbeitet sie selbst öfters und gern mehrere Wochen in Berlin.

Dieser Artikel erschien in leicht veränderter Form am 6. Mai 2006 im Wiesbadener Tagblatt.

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