Auflösungen älterer Preisaufgaben
Archaismen
(Preisaufgabe aus Heft 2/2008)
In Heft 2/2008 hatten wir unsere Leserinnen und Leser aufgefordert, im Rahmen der Preisaufgabe sogenannte Archaismen einzusenden, Wörter also, die allmählich außer Gebrauch geraten oder bereits geraten sind. Gefragt war nach solchen, die die Teilnehmenden besonders mögen und deren allmähliches Verschwinden aus dem aktuellen Sprachgebrauch sie bedauern.
Unter den Einsendungen fanden sich ganz unterschiedliche Wörter. Zum Teil handelte es sich um Wörter, bei denen alte Bezeichnungen durch neue ersetzt wurden, die heute üblicher sind. So ist beispielsweise heutzutage kaum noch von einem Fremdenverkehrsamt die Rede, sondern von Tourist-Info, und in der Angebotspalette deutscher Kommunikationsunternehmen wird man wohl auch lange suchen müssen, um einen Fernsprecher zu finden. Ein interessantes Beispiel in diesem Zusammenhang ist das Wort Technik, das uns Fritz Jörn einsandte. Zwar ist es von keinem Wörterbuch als Archaismus gekennzeichnet, die Beobachtung aber, dass heutzutage vielfach das Wort Technologie benutzt wird, wo es früher Technik hieß, ist sicher bedenkenswert.
Manche Wörter, die zusehends außer Gebrauch geraten, fallen gar nicht direkten »Konkurrenten« in Gestalt von Neologismen (also neuen Wörtern) zum Opfer. So vermisst Dr. Detlev Männig das Verb vermögen, für das im aktuellen Sprachgebrauch in der Regel können verwendet wird.
Hin und wieder kommt es auch vor, dass nur eine bestimmte Form eines Wortes veraltet, so etwa die Form ward (heute: wurde), die Dr.-Ing. Günter Lochmann besonders gefällt. Er weist darauf hin, dass die Form ward in den Märchen der Brüder Grimm verwendet wird. In der Tat ist es typisch, dass sich alte Formen häufig über bekannte alte Texte tradieren (man denke etwa an die Form sungen aus dem Weihnachtslied »Es ist ein Ros entsprungen«).
In manchen Einsendungen wurden gleich eine ganze Reihe von Archaismen genannt, so in der von Maria Fähndrich, die eine Fülle von veralteten Verwandschaftsbezeichnungen zusammengestellt hat. Als zwei Beispiele seien hier nur die Muhme (›Tante mütterlicherseits‹) und der Oheim (›Onkel mütterlicherseits‹) angeführt.
Die Begründungen der Teilnehmenden, warum sie die von ihnen vorgeschlagenen Archaismen besonders mögen, waren so unterschiedlich wie die eingesandten Wörter. Sie reichten von einer knappen Bewertung als »gutes, schönes altes Deutsch« (Ludwig Stoffels zum Fernsprecher) bis hin zu detailfreudigen Erklärungen, welche Gedanken der oder die Teilnehmende mit einem bestimmten Wort verbindet. So gefällt Günther Zybell besonders das Wort Schatulle, weil man wegen des verzierenden Doppel-l an »etwas Hübsches« denke. Christian Stang begründet seine Wahl des Wortes Parapluie zum einen mit dem »weicheren« Klang des Französischen. Zum anderen wecke Parapluie, im Unterschied zum deutschen Regenschirm, nicht die negative Assoziation von schlechtem Wetter. Schon an diesen wenigen Beispielen ist gut zu sehen, wie subjektiv die Einschätzungen dessen sind, was überhaupt ein Archaismus ist, und warum jemand ein bestimmtes Wort besonders mag.
Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ganz herzlich dafür, dass sie uns ihre Lieblingsarchaismen geschickt und ihre Wahl so originell und individuell begründet haben. Wegen der Fülle der Einsendungen musste das Los über den Gewinn der Buchpreise entscheiden. Freuen durften sich Wendelin Dietzenschmidt, Fritz Jörn und Walter Sassenberg.
