Auflösungen älterer Preisaufgaben
Gleichlautende Wörter mit verschiedenen Bedeutungen
(Preisaufgabe aus Heft 3–4/2010)
In der Preisaufgabe des Heftes 3–4/2010 haben wir unsere Leserinnen und Leser gebeten, uns Wörter einzusenden, die in verschiedenen Bedeutungen gebraucht werden. Dieses Phänomen ist häufig anzutreffen, und oft kann eine Bedeutung aus der anderen abgeleitet werden wie etwa im Fall der Frucht Birne und dem Leuchtkörper Glühbirne, wo eine Ähnlichkeit in der Form der Gegenstände festzustellen ist.
In anderen Fällen aber ist die Wortgleichheit offenbar rein zufällig oder zumindest im aktuellen Sprachgebrauch nicht mehr durchschaubar. Ein Beispiel dafür ist etwa das Verb einladen, das bedeuten kann ›Gäste zu einem Essen oder Ähnlichem in die eigene Wohnung bitten‹, aber auch ›Einkäufe im Kofferraum eines Autos verstauen‹.
An den erfreulich zahlreichen Einsendungen zu dieser – Kindern unter dem Namen »Teekesselchen« bekannten – Aufgabe war überhaupt oft zu bemerken, wie fließend die Grenze zwischen einer übertragenen Bedeutung (das heißt: einer noch erklärbaren Verwendung eines bestimmten Wortes in einem anderen Zusammenhang) und einer scheinbaren oder wirklichen Wortgleichheit ganz ohne erkennbaren Zusammenhang ist. So hat etwa die Felge eines Autoreifens mit der Reckübung eines Turners auf den ersten Blick wenig zu tun, bei näherer Betrachtung jedoch ergibt sich eine Bedeutungsverwandtheit bezogen auf die Bedeutungskomponente ›Rotation um eine Achse‹.
Neben solchen systematischen oder auch willkürlich erscheinenden Gleichlautungen innerhalb des Standarddeutschen gibt es auch dialektal oder regional geprägte Bedeutungen. So ist das Verb einholen für die meisten Sprecher in Deutschland in der Bedeutung geläufig ›hinter jemandem herlaufen und zu der Person aufschließen‹. In einigen Regionen der deutschen Sprachgebiets wird einholen aber auch schlicht in der Bedeutung ›einkaufen‹ verwendet.
Bei manchen anderen Beispielen wird deutlich, wie sich gesprochene und geschriebene Sprache unterscheiden und nicht immer in gleicher Art und Weise Diffenzierungen erlauben. So ist es, abhängig von der Betonung ein großer Unterschied, ob jemand einen Pfeiler umfährt oder einen Pfeiler umfährt. Für die Versicherung und den Kraftfahrer ist es wichtig (und auch finanziell recht erheblich), welches der beiden Ereignisse stattgefunden hat, die Schriftsprache macht indes hier keine Unterscheidung.
Ein sehr lupenreines Beispiel für zufällige Bedeutungsgleichheit sei zum Abschluss gegeben: Heide, als die Heide eine Landschaft, als der Heide ein Mensch, der nicht der christlichen Religion angehört.
Über die Buchpreise entschied das Los. Freuen dürfen sich Stefan Leiner, Jutta Muschard und Claudia Schirdewan.

