Auflösungen älterer Preisaufgaben
Kreative Verwendung von Personennamen
(Preisaufgabe aus Heft 2/2011)
In der Preisaufgabe des Heftes 2/2011 baten wir unsere Leserinnen und Leser, einmal nach Abwandlungen von Familiennnamen Ausschau zu halten, wie sie zum Beispiel beim Verb schrödern vorliegt.
Uns erreichte eine Vielzahl von Einsendungen. Ein Teil der eingesandten Beispiele machte deutlich, dass die Ableitung eines Verbs aus einem Familiennamen ein sehr beliebtes Mittel der medialen Berichterstattung ist. Dementsprechend viele Belege fanden sich im Bereich der Politik und des Sports. Unter den Politikern, denen die (meist etwas zweifelhafte) Ehre zuteil wurde, dass man aus ihrem Nachnamen ein Verb ableitete, befinden sich neben Gerhard Schröder auch Angela Merkel (merkeln), Edmund Stoiber (stoibern), Guido Westerwelle (westerwellen) und Theo Waigel (abwaigeln). Oft sind diese Bildungen an tagespolitische Zusammenhänge geknüpft und geraten schnell in Vergessenheit. Manche solcher Ableitungen haben aber auch über den Tag hinaus Bestand, vor allem natürlich dann, wenn sie sich mit Maßnahmen verbinden, die über die Karriere einer einzelnen Person oder über eine einzelne Legislaturperiode hinausweisen. So sind die Verben hartzen und riestern im Sprachgebrauch seit einiger Zeit etabliert, obwohl ihre »Paten« Peter Hartz und Walter Riester längst anderweitig aktiv sind. Zu großer Beliebtheit hat es im Verlauf des Jahres 2011 die Bildung guttenbergen (auch manchmal weiter abgewandelt zu guttenborgen) in der Bedeutung ›plagiieren‹ gebracht. Dass Karl-Theodor zu Guttenberg infolge der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit sämtliche politischen Ämter bereits im März niedergelegt hat, scheint der Popularität des abgeleiteten Verbs kaum Abbruch zu tun. Das ist umso auffälliger, als der Name Guttenberg und das Verb guttenbergen sprachlich ja relativ sperrig sind. Dies gilt natürlich noch mehr für Formen des Verbs, wie sie in einem Satz auftreten können, etwa geguttenbergt, aber auch diese Formen kann man durchaus im Sprachgebrauch finden.
Aus dem Bereich des Sports ist neben dem in der Preisaufgabe genannten Verb müllern nach dem Fußballspieler Thomas Müller das Verb hoyzern (›bestechen, manipulieren‹, kam bei der Wahl zum Wort des Jahres 2007 auf Platz 7) vielfach verwendet worden. Abgeleitet ist es aus dem Namen des ehemaligen Schiedsrichters Robert Hoyzer, der in betrügerischer Absicht Fußballspiele »verpfiffen« hat. Das Wort müllern ist dabei eines der ganz wenigen Beispiele, in denen mit der Person etwas Positives assoziiert wird ‒ in diesem Fall die Treffsicherheit und Torgefährlichkeit eines Fußballstürmers. Wie die angeführten Beispiele zeigen, sind negative Assoziationen weit häufiger, etwa Korruptheit (hoyzern), Zögerlichkeit (merkeln) oder rüpelhaftes Verhalten (schrödern).
Auch Namen von Personen aus den Medien werden gelegentlich für Ableitungen herangezogen, auch in diesen Fällen meist mit wenig schmeichelhaftem Beigeschmack, wenn es in einem Kabarettprogramm etwa heißt, ein Politiker seibere (›spreche wie Steffen Seibert‹).
Genannt seien auch noch Verben, die aus eher fachsprachlichen Verwendungen hervorgegangen sind wie etwa pasteurisieren (nach dem französischen Chemiker Louis Pasteur) oder mesmerisieren (nach Franz Anton Mesmer). Wenn solche Wörter überhaupt in den allgemeinen Sprachgebrauch eingehen, verlieren sie oft den Bezug zu dem zugrunde liegenden Eigennamen ganz oder teilweise, d. h., die meisten Sprachbenutzer/-innen sind sich dessen nicht bewusst, wie etwa im Falle von röntgen oder morsen. Hier mag vielen Menschen noch präsent sein, dass es sich um Verfahren oder Techniken handelt, deren Bezeichnung auf einen Erfinder zurückgeht, aber nur wenige könnten wohl spontan die vollständigen Namen Wilhelm Conrad Röntgen und Samuel Morse nennen.
Umfangreiche Informationen zum Thema Ableitungen aus Personennamen über diese Preisaufgabe hinaus bietet der Aufsatz von Prof. Dr. Martin Wengeler: Zwinglisch, Marxismus, genschern, der in der Zeitschrift Muttersprache im Jahr 2000 (Heft 4) erschienen ist.
Wir danken allen Einsenderinnen und Einsendern für ihre Vorschläge. Über die Buchpreise hat wie immer das Los entschieden. Freuen dürfen sich Gabi von Alemann, Gerhard Baumann, und Klaus Vogelsang.

