Auflösungen älterer Preisaufgaben
Missverständliche Silbentrennungen
(Preisaufgabe aus Heft 2/2010)
In der Preisaufgabe des Heftes 2/2010 haben wir unsere Leserinnen und Leser darum gebeten, nach Wörtern Ausschau zu halten, bei denen missverständliche oder zweideutige Silbentrennungen auftreten können.
In Rechtschreibwörterbüchern finden sich in aller Regel Beispiele für Trennungen, die vermieden werden sollten, um Missverständnisse auszuschließen. Das mit Abstand beliebteste Beispiel hierfür ist das Wort Druckerzeugnis, mit dem je nach dem Textzusammenhang ein ›gedrucktes Erzeugnis‹, mithin ein Druck-Erzeugnis oder ›die Beurteilung/das Zeugnis für einen Drucker‹ und somit ein Drucker-Zeugnis gemeint sein kann. Sollte im Textzusammenhang unklar bleiben, welche der beiden möglichen Bedeutungen die richtige ist, kann die Schreibung mit Bindestrich auch dann gewählt werden, wenn nicht am Zeilenende getrennt wird.
Im Rahmen der Preisaufgabe wollten wir nun herausfinden, wie viele und welche Beispiele sich neben dem Druckerzeugnis finden lassen. Bei den zahlreichen Einsendungen zeigte sich zunächst, dass Silbentrennungen mit einer Gefahr für Verständnisprobleme und Zweideutigkeiten offenbar nicht sehr häufig auftreten (was natürlich auch die Vorliebe der Wörterbuchschreibung für das immer gleiche Beispiel erklärt). Neben dem Druckerzeugnis gab es nur relativ wenige Wörter, bei denen man tatsächlich davon ausgehen kann, dass sie im alltäglichen Gebrauch in beiden möglichen Bedeutungen vorkommen, darunter erblassen (also erb-lassen oder er-blassen) sowie die Wanderrichtung (also Wander-Richtung oder Wand-Errichtung).
Bei einigen anderen Vorschlägen steht eher eine wortspielerische Komponente im Vordergrund. So kann man sich unter dem Wort Schreibereich durchaus vorstellen, dass ein Schriftsteller in seinem Domizil ein Schreibe-Reich zur Ausübung seiner Tätigkeit hat, während eines oder mehrere Kinder ihrerseits einen Schrei-Bereich für sich beanspruchen dürfen. Ob diese Bildungen jemals Eingang in ein Wörterbuch finden, darf indes wohl bezweifelt werden. Auch die mögliche Doppeldeutigkeit des Wortes Sprecherziehung bedarf einer gewissen Fantasie. So ist auch hier natürlich denkbar, dass nicht die Erziehung von Sprechern gemeint ist (Sprech-Erziehung), sondern eine Art Tombola, durch die bei der Produktion eines Hörspiels die Rollen verlost werden (Sprecher-Ziehung). Im Computerzeitalter hingegen recht alltagsnah erscheint dagegen die Bildung Tonerkennung, zum einen in der Bedeutung ›Ton-Erkennung‹ beispielsweise im Zusammenhang mit Eingabemöglichkeiten bei Computerprogrammen, zum anderen in der Bedeutung ›Toner-Kennung‹, die bei einem Drucker dazu dient, eine Tonerpatrone zu erkennen. Ebenfalls möglich wäre es, eine Wachstube als ›Wachs-tube‹ oder ›Wach-stube‹ zu interpretieren.
Einige Einsenderinnen und Einsender bezogen sich nicht auf die geschriebene, sondern auf die gesprochene Sprache, bei der die Silbentrennung am Zeilenende natürlich nicht auftritt, es aber dennoch zu vergleichbaren Verständnisproblemen kommen kann. So ist es möglich einen Warengrenzübergang als ›wahren Grenzübergang‹ zu verstehen oder eine schnelle Reform als ›schnellere Form‹ misszuverstehen.
Ein Phänomen, das wiederum der Schriftsprache zuzuordnen ist, sind solche Silbentrennungen, bei denen ein Bestandteil einen scheinbaren Sinn ergibt, die Fortsetzung auf der folgenden Zeile jedoch nicht. Beispiele dafür wäre etwa das Wort Reinkarnation, wenn es als Rein-karnation getrennt wird oder die Trennung des Wortes Osterweiterung als Oster-weiterung.
Über die Buchpreise wurde wie immer per Los entschieden. Über einen Gewinn freuen durften sich Maria Fähndrich, Philipp Greiner und Michael Rüffin. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern danken wir herzlich für ihre Beteiligung und ihre Vorschläge.

