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Auflösungen älterer Preisaufgaben

Verleser und Verhörer

(Preisaufgabe aus Heft 6/2009)

In der Preisaufgabe des Heftes 6/2009 haben wir unsere Leserinnen und Leser gebeten, ihr Augenmerk auf sprachliche Fehlleistungen zu richten und uns interessante »Verleser« und »Verhörer« einzusenden.

Offensichtlich kommt es sehr oft vor, dass Menschen etwas anderes hören oder lesen, als eigentlich gesagt oder geschrieben wurde. Mehrere Einsender/-innen wiesen darauf hin, dass diesem Phänomen auch schon ein recht bekanntes Buch gewidmet wurde, das den Untertitel trägt »Kleines Handbuch des Verhörens«. Der Autor ist Axel Hacke, Kolumnist beim Magazin der Süddeutschen Zeitung, und der titelgebende Verhörer lautet ‒ politisch völlig unkorrekt und inhaltlich auch recht widersinnig ‒ »Der weiße Neger Wumbaba«. Gemeint, gesagt oder gesungen war eine Zeile des Volksliedes »Der Mond ist aufgegangen«, die eigentlich den Wortlaut »der weiße Nebel wunderbar« hat.

Überhaupt haben nicht nur traditionelle Liedtexte vor allem bei Kindern ein erhebliches »Verhörrisiko«. Das Enkelkind einer Einsenderin konnte beispielsweise mit dem Städtenamen Leverkusen nichts anfangen und ersetzte ihn kurzerhand durch das wohl vertrautere Wort Lebkuchen. Aber natürlich sind auch Erwachsene nicht davor gefeit, sich zu verlesen oder zu verhören. Ein weiteres Beispiel den Text eines Liedes betreffend sandte uns Thomas Walker ein. Die Textzeile des Titels »Pflaster« der Gruppe »Ich + Ich« lautet: »Es tobt der Hass da vor meinem Fenster«, gehört wurde aber: »Es tobt der Hamster vor meinem Fenster.«

Bei allen Schwierigkeiten, die schon Muttersprachler des Deutschen gelegentlich haben, ist es nicht erstaunlich, dass Verleser und Verhörer auch bei Menschen auftreten, für die Deutsch eine Fremdsprache ist. Ein Einsender berichtete von einem englischen Muttersprachler, der den österreichischen Ortsnamen St. Anton beharrlich Stanton las und aussprach und damit bei seinen Fragen nach dem Weg dorthin auf Probleme stieß.

Eine besondere Form von regionaler Verbundenheit kann man bei folgendem Verleser vermuten: Eine Frau las auf dem Schild einer Bäckerei »ostfriesische Brötchen«. Sie ‒ selbst Ostfriesin ‒ befand sich weit außerhalb von Ostfriesland und freute und wunderte sich darüber. Dann las sie noch einmal, und tatsächlich waren es auch keine ostfriesischen, sondern ofenfrische Brötchen.

Wie man schon an diesen wenigen Beispielen sieht, kann das Verlesen oder Verhören durchaus unterhaltsam sein.

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die amüsanten Beispiele. Über die Preise wurde per Los entschieden. Freuen dürfen sich Beate Bruns, Fritz Jörn und Thomas Walker.

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