Auflösungen älterer Preisaufgaben
Wörter für Geld
(Preisaufgabe aus Heft 6/2007)
Über Geld spricht man nicht, lautet eine Redensart, schon gar nicht die Deutschen, zumindest nach einem verbreiteten Nationalitätenklischee. Sollte dieses Klischee stimmen (eine Frage, der hier nicht weiter nachgegangen wird), schweigen die Deutschen vom Geld jedenfalls sehr wortreich. Auf unsere Aufforderung hin, Wörter für Geld einzusenden, erreichten uns zahlreiche Beiträge, manche mit drei oder vier Vorschlägen, andere mit seitenlangen Listen. Insgesamt kamen so über dreihundert verschiedene Vorschläge zusammen, Mehrfacheinsendungen aus der Zählung ausgenommen.
Besonders beliebte Synonyme für Geld, die auffallend oft vorgeschlagen wurden sind Kohle (22-mal), Knete (19-mal), Kröten (16-mal), Mäuse (15-mal) und Schotter (14-mal), alles eher umgangssprachliche Wörter. Etwas überraschend wurde tatsächlich auch siebzehn Mal Penunze (auch Penunse oder Pinunsen geschrieben) eingesandt. Dieses Wort stammt aus dem Polnischen und ist im deutschen Sprachraum vor allem im Ruhrgebiet gebräuchlich. Die Einsendungen zeigten aber generell, dass viele regional begrenzte Wörter bekannt sind und wohl auch verwendet werden. So gab es sowohl für die österreichische Marie wie auch für das bayerische Diridari Mehrfacheinsendungen. »Vornehmere« Ausdrücke wie Finanzmittel oder Barschaft fanden sich unter den Einsendungen ebenfalls, aber deutlich seltener.
Obwohl er in Zeiten des Euro (für viele ein Teuro) eigentlich ausgedient hat, ist auch der Groschen offenbar noch sehr beliebt, auch in seiner Eigenschaft als Notgroschen, und der Pfennig ist ebenfalls nicht in Vergessenheit geraten. Dabei gibt es heute ja längst das Plastikgeld und kaum jemand zahlt noch mit Cash. Letzteres war einer der ganz seltenen Anglizismen unter den eingesandten Wörtern, unter ihnen auch noch die Bezeichnung Dead Presidents ›tote Präsidenten‹ (für Dollarnoten mit der Abbildung eines Präsidenten), die in Hip-Hop-Kreisen geläufig sein soll.
Insgesamt wurden häufig Wörter genannt, die augenscheinlich dazu dienen, in abwertender Weise über Geld zu reden. Das gilt für die oben genannten am häufigsten eingesandten Wörter und auch für viele andere wie Blech, Eier, Fett, Flöhe, Koks (als Variante von Kohle), Mucken/Mücken, Schlacke, Schotter, Schrott oder Späne. Etwas liebevoller klingen da schon die Verkleinerungsformen Emmchen, Kikerlinge, Nüssele oder Schiffken. Für Freundinnen und Freunde des Lateinischen seien an dieser Stelle auch noch die Wörter Obolus und Pecunia (eingedeutscht: Pekunien) genannt. Letzteres findet sich auch in dem Sprichwort »Pecunia non olet«, zu Deutsch: »Geld stinkt nicht.« Ebenfalls lateinisch und bildungssprachlich ist der Ausdruck Nervus rerum (›Nerv der Dinge‹), mit dem die große Bedeutung von Geld metaphorisch benannt wird.
Wir danken allen Einsenderinnen und Einsendern für diese Fülle von Geldwörtern.
Über die Buchpreise musste wegen der großen Beteiligung das Los entscheiden. Freuen durften sich Ute Lenke, Manfred Sernetz und Lidia Wanat.

