VeranstaltungenRedaktionsstab beim Deutschen BundestagRedaktionsstab RechtsspracheWir über unsAktionenSprachberatungVornamenZweige (In-/Ausland)PublikationenDer SprachdienstAktuelles HeftArchivAktuelle PreisaufgabenAuflösungen älterer PreisaufgabenZeit-WörterFragen & AntwortenBeiträgeDie letzte SeiteBestellformularProbeheftRichtlinien für Autorinnen/AutorenMutterspracheBücherRezensionenPresseFörderkreisLinksKontaktImpressum

Die letzte Seite

Gelerch

von Nicola Frank

Es gibt Wörter, die über Jahre oder gar Jahrzehnte in Sprachbenutzern ruhen, ohne dass er oder sie sich der Kenntnis dieses Wortes bewusst ist. Ein schöner Zufall ist dann immer eine Wieder- oder Neubegegnung mit einem solchen Wort, ein plötzliches unvermitteltes Erinnern, oft im Zusammenhang mit der Frage, wie man so lange Zeit ohne dieses Wort auskommen konnte. Eine Begebenheit dieser Art trug sich unlängst in einer Wiesbadener Bäckerei zu. Dort redeten zwei Kundinnen miteinander, und an das Ohr der Verfasserin drang das Wort Gelerch.

Das Wort kann nicht für sich beanspruchen, Teil des Standarddeutschen zu sein, selbst in mehrbändigen Wörterbüchern fehlt es. Sein Gebrauch ist regional begrenzt, fündig wird man im Südhessischen Wörterbuch, das für Gelerch die Bedeutung ›Gerümpel‹ bzw. ›baufälliges Gebäude‹ angibt und im Übrigen auf den Eintrag Gelürch verweist. Schon in angrenzenden Dialektgebieten scheint das Wort hingegen zu fehlen, zumindest in dieser Form.

Das ist eigentlich schade, denn Gelerch transportiert vom Klangbild her die Minderwertigkeit der so bezeichneten Gegenstände ganz ausgezeichnet, zumal in der dialektalen Aussprache, die man in etwa als Geläsch wiedergeben könnte. Gelerch kann so ungefähr alles sein, was im Augenblick geringschätzig betrachtet wird. Da kann auch das eigene Urlaubsgepäck, das man im Auto nicht unterbringen kann, zu »dem ganzen Gelerch« werden. Selbst eine Recherche im Internet bestätigt allerdings eine Beschränkung auf Südhessen, da ist etwa im Zusammenhang mit der Frankfurter Altstadt die Rede davon, dass das »aal Gelerch« (›die alten Gebäude‹) nicht mehr zeitgemäß sei.

Im Wörterbuch der Brüder Grimm findet sich schließlich noch ein Eintrag für Gelärr in denselben Bedeutungen, die das südhessische Wörterbuch für Gelerch angibt, und zwar mit der Erläuterung: »ein Volkswort von höchstem Alter«. Es wird zurückgeführt auf das althochdeutsche Wort gilari ›Wohnung‹, wobei sich der Stamm lar noch heute in Ortsnamen wie Goslar oder Fritzlar findet. Das Wort Gelerch ist also durchaus nicht irgendein Gelerch, sondern ein Wort mit ehrwürdiger Tradition, das es verdient hätte, auch außerhalb des südhessischen Raumes Verbreitung zu finden.

[!] Suche

[!] Nächste Termine

22.05.2012, 19 Uhr, Pfalz
Benjamin Dorn, Wiesbaden/Mainz
Sprache und Wein
haben vieles gemein?
Zwei Kulturgüter im Vergleich
Mit einer Textauswahl zum Wein in der deutschen Literatur


[mehr]

23.05.2012, 18 Uhr, Freiburg
Prof. Dr. Uta Quasthoff, Dortmund
‚Von der Wiege bis zur Bahre ...’ Vom Umgang mehrsprachiger und einsprachiger Menschen aus benachteiligten Milieus mit den (schrift-) sprachlichen Anforderungen von Behördenkommunikation

[mehr]



[!] Vornamenurkunde



Sie suchen ein individuelles Geschenk? Bei uns können Sie eine ausführliche Vornamenurkunde in eleganter Aufmachung erstellen lassen. [mehr]


[!] Weitere letzte Seiten