VeranstaltungenRedaktionsstab beim Deutschen BundestagRedaktionsstab RechtsspracheWir über unsAktionenSprachberatungVornamenZweige (In-/Ausland)PublikationenDer SprachdienstAktuelles HeftArchivAktuelle PreisaufgabenAuflösungen älterer PreisaufgabenZeit-WörterFragen & AntwortenBeiträgeDie letzte SeiteBestellformularProbeheftRichtlinien für Autorinnen/AutorenMutterspracheBücherRezensionenPresseFörderkreisLinksKontaktImpressum

Die letzte Seite

Sträng genommen …

von Nicola Frank

… schreibt man das Adjektiv streng und das dazugehörige Substantiv Strenge natürlich mit e und nicht mit ä. Das wissen die meisten Menschen auch, dazu reicht wohl bereits das Absolvieren der Grundschulzeit aus. Dieses Wissen führt zu vielen korrekten Schreibungen, es führt aber auch zu Folgendem: Es wird massiv »über die Strenge geschlagen«.

Zu bewundern sind derartige Belege zu Zehntausenden im Internet. Sprachkundige Menschen wissen allerdings, dass in diesem Fall nicht von der Strenge die Rede ist, sondern dass es sich um den Plural von Strang handelt, nach dem Stammprinzip korrekt Stränge geschrieben.

Aber wie so viele Fehler ist auch dieser ebenso interessant wie erklärlich, letzteres sogar in zweifacher Hinsicht. Zum einen gibt es keinen klanglichen Unterschied zwischen den Wörtern Strenge und Stränge. Und zum anderen kommt es offenbar vielen Sprachbenutzerinnen und -benutzern plausibel vor, dass die Redewendung eben das Wort Strenge enthält.

Lutz Röhrich erläutert in seinem Großen Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten die Herkunft der Wendung »über die Stränge schlagen« mit einem Bezug zu ausschlagenden Pferden, die »mit den Beinen über das Geschirr, die Zugstränge hinausfahren«. Nun sind angeschirrte ausschlagende Pferde in der Lebenswelt der meisten Menschen heutzutage nicht gerade allgegenwärtig.

Es steht zu vermuten, dass die Schreibung »über die Strenge schlagen« kein bloßes Versehen ist und auch nicht dadurch zustande kommt, dass das Wort Strang gänzlich unbekannt wäre. Zumindest die Wendung »gemeinsam an einem Strang ziehen« dürfte den meisten Menschen geläufig sein, und wer etwas für Western übrig hat, kennt sicher auch das etwas martialischere »Tod durch den Strang«.

Bei der Wendung »über die Stränge schlagen« scheinen nun aber viele Menschen eben nicht an den Strang zu denken, der ihnen aus anderen Wendungen bekannt ist, sondern an die Einschränkungen und Begrenzungen, die Strenge mit sich bringen kann, und aus der jemand mitunter ausbricht und somit »über die Strenge schlägt«. Ganz abwegig ist dieser Gedankengang nicht, wie ja überhaupt die Schreibung von e und ä nicht zufällig bei der Regelung der Rechtschreibung ein immer wieder aufgeworfenes Diskussionsthema ist.

Wenn die Bildhaftigkeit einer Redewendung erkannt wird, kommt es zu deutlich weniger Fehlschreibungen, wie ein stichprobenartiger Vergleich mit der Wendung »wenn alle Stränge reißen« zeigt. Zum einen wird hier im Unterschied zu »über die Stränge schlagen« klar, dass Stränge eine Pluralform ist, zum anderen ist aber der Vorgang des Reißens sehr viel einfacher mit einem Strang (Strick, Seil, Tau oder Faden) in Verbindung zu bringen und als Bild viel besser vorstellbar als die angeschirrten ausschlagenden Pferde.

[!] Suche

[!] Nächste Termine

22.05.2012, 19 Uhr, Pfalz
Benjamin Dorn, Wiesbaden/Mainz
Sprache und Wein
haben vieles gemein?
Zwei Kulturgüter im Vergleich
Mit einer Textauswahl zum Wein in der deutschen Literatur


[mehr]

23.05.2012, 18 Uhr, Freiburg
Prof. Dr. Uta Quasthoff, Dortmund
‚Von der Wiege bis zur Bahre ...’ Vom Umgang mehrsprachiger und einsprachiger Menschen aus benachteiligten Milieus mit den (schrift-) sprachlichen Anforderungen von Behördenkommunikation

[mehr]



[!] Vornamenurkunde



Sie suchen ein individuelles Geschenk? Bei uns können Sie eine ausführliche Vornamenurkunde in eleganter Aufmachung erstellen lassen. [mehr]


[!] Weitere letzte Seiten