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Unpünktlichkeit

von Nicola Frank

Vielleicht wundern sich geneigte Leserinnen und Leser über das Thema und fragen sich, inwiefern Unpünktlichkeit sprachlich relevant ist. Zu erwarten wäre es eher in der Rubrik »Gewissensfrage«, die allwöchentlich im Magazin der Süddeutschen Zeitung von Rainer Erlinger beantwortet wird.
Aber auch in der Sprache können wir etwas zu früh oder zu spät tun und damit unpünktlich sein. Denn es ist bei Lichte betrachtet eine ungeheure feinmotorische Leistung, einen Satz fehlerfrei auszusprechen. Das macht man sich nur deshalb so selten bewusst, weil es meistens klappt; wenn es aber nicht klappt, liegt es oft an Unpünktlichkeit in der einen oder anderen Richtung, also Verfrühung oder Verspätung. Dafür interessiert sich eben in der Tat auch die Sprachwissenschaft, die Rede ist dann allerdings von Antizipation bzw. Perseveration. Ein Beispiel für Verfrühung – um bei diesem etwas geläufigeren Wort zu bleiben – lag bei einem Fernsehmoderator vor, der über den letztjährigen Dioxinskandal meldete, das Gift sei in Futtelmitteln nachgewiesen worden. Da war das l, auf das das Wort Mittel endet, einfach etwas zu früh vom Gehirn auf die Zunge geraten und erschien gleich zwei Mal, einmal richtig und pünktlich bei Mittel und einmal verfrüht bei Futtel statt Futter.
Trauriges hatte im Februar 2011 ein Sportmoderator über die Skiläuferin Maria Riesch [zu diesem Zeitpunkt noch nicht Höfl-Riesch] zu vermelden. Krankheitsbedingt musste sie den Start bei einem WM-Rennen absagen, wegen einer – so der Moderator – Virusgruppe. Nun ist es vielleicht sogar möglich, dass ganze Gruppen von Viren jemanden außer Gefecht setzen, in diesem Fall war die Situation für die Skiläuferin aber dann doch nicht gar so bedrohlich, denn gemeint war eine Virusgrippe. Das u, das dann zur Virusgruppe führte, hatte sich einfach verspätet noch einmal eingeschlichen. So etwas kann natürlich nicht nur mit einzelnen Lauten passieren wie in den beiden genannten Beispielen, sondern auch mit Silben oder ganzen Wörtern.
Besonders seltsam kann es übrigens gerade dann werden, wenn jemand einen solchen Fehler macht, ihn sofort bemerkt und am Punkt eines verfrüht geäußerten Lautes abbricht. Das passierte einer Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins bei der Präsentation der Themen einer Sendung. Sie sagte: »Endluger …« Dann kam eine kleine Pause, und man dachte unwillkürlich: Was ist denn »Luger«? Das Wort kennt man vielleicht als Bezeichnung für eine Handfeuerwaffe, aber weder in Kombination mit End- noch im Rahmen der Themen eines tagesaktuellen Magazins ergibt sich ein rechter Sinn. Des Rätsels Lösung folgte jedoch sogleich, ein neuer Versuch der Moderatorin, diesmal geglückt, das Thema nämlich war die Endlagersuche für Atommüll. Das u kam also von Suche und hatte sich verfrüht ins lager respektive luger verirrt.

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