Muttersprache 4/2009
Abstracts der im Heft enthaltenen Aufsätze
Jia Zhu und Peter Schlobinski: Web-Forum-Kommunikation: Sprachliche Aspekte im Deutschen und Chinesischen
In der vorliegenden Arbeit wird der schriftbasierte Internetdienst Web-Forum unter sprachlichem Aspekt erörtert. Ausgehend vom Konzept medialer und konzeptioneller Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit von Koch/Oesterreicher (1985; 1994) werden sprachliche Besonderheiten in deutschen und chinesischen Web-Foren beleuchtet: Anglizismen, umgangssprachliche und dialektale Ausdrücke, häufige Verwendung von Interjektionen und Verschmelzungsformen sowie Smileys (Emoticons) und Kompensation prosodischer Elemente. Einige Phänomene, die unmittelbar mit computervermittelter Kommunikation verbunden sind, wie beispielsweise Akronyme, Schreibfehler usw., tauchen sowohl in deutschen als auch in chinesischen WFn auf.
In our paper we explored linguistic features of Chinese and German web forums. According to these features, web forum, as a new communication form, was located on the continuum between the extremes of conceptual orality and literacy on the base of the model concerning media/conceptual language which was developed by Koch/Oesterreicher (1985; 1994). Linguistically, these features mainly were showed in lexical items, for example anglicisms, discourse markers, phenomena of assimilation and deletion, spoken idioms, and so on. Moreover, smileys (emoticons), acronyms and typing mistakes were also found in Chinese and Germany web forums.
Hilke Elsen: Morphologie und Kognitive Grammatik
Warum sind Komposita so überaus zahlreich? Warum kommt es aktuell in einigen Bereichen des Deutschen zu immer mehr Zusammenbildungen, während wir die implizite Derivation aufgegeben haben? Warum heißen Schmerzmittel Benuron, Buscopan, Aspirin oder Eudorlin, aber nie Schlupseli?
Nach einem kurzen Abriss zur Geschichte der Morphologie werden in diesem Artikel Beobachtungen und Erkenntnisse aus neurobiologisch orientierten und prototypischen Ansätzen mit Prinzipien der Kognitiven Grammatik vereint und anhand aktueller morphologischer Erscheinungen demonstriert. Auf diese Weise sollen Erklärungen für periphere und neue Entwicklungen im Deutschen gesucht werden.
Why are compounds so numerous? Why do we coin more and more synthetic compounds, but only in certain varieties? Why did we give up implicit derivation? Why do we call pain-killers Benuron, Buscopan, Aspirin or Eudorlin, but never Schlupseli?
To answer these questions, the article presents a short summary of the history of morphology, followed by several observations and findings stimulated by neurological and prototypical approaches. It is shown how they lead to the conception of Cognitive Grammar. Various rare and new trends in the creation and use of German complex words might better be understood in the light of CG.
Frank Kostrzewa und Bok Ja Cheon-Kostrzewa: Kausalitätsmarkierungen im Deutschen und im Koreanischen
Der folgende Beitrag untersucht den Gebrauch von Kausalitätsmarkierungen im Deutschen und Koreanischen. In der Analyse des deutschen Systems von Kausalitätsmarkierungen werden kausale, finale, konditionale, konzessive und konsekutive Sätze näher betrachtet und mit dem koreanischen System von Kausalitätsmarkierungen verglichen, in dem Konnektoren, als Suffixe angehängt, dazu verwendet werden, eine kausale Relation auszudrücken.
In der Beschreibung des deutschen und koreanischen Systems von Kausalitätsmarkierungen liegt der Schwerpunkt auf dem Vergleich zwischen dem Gebrauch von Kausalitätsmarkierungen in einer flektierenden Sprache (Deutsch) auf der einen und einer agglutinierenden Sprache (Koreanisch) auf der anderen Seite.
The following article examines the use of causal markers in German and Korean. In the analysis of the German system of causal markers causal, final, conditional, concessive and consecutive clauses are closely examined and compared to the Korean system of causal markers in which connectors, used as suffixes, are employed to express a causal relationship.
In the description of the German and Korean system of marking causality the main emphasis is put on a comparison between the use of causal markers in a flective language (German) on the one hand and an agglutinative language (Korean) on the other.
Marita Roth: Transkulturelle Identitätskonstruktion durch Sprache. »Mix-language« als kultureller Code des Emotionsausdrucks in Texten türkisch-deutscher Autoren und Sprecher
Der Beitrag untersucht die sprachliche Form der türkisch-deutschen Mix Language als Emotionscode anhand exemplarischer Analysen aus der Literatur und der gesprochenen Sprache. Mix Language wird dabei auf den Gebrauch zweier Ingroup-Sprachen durch bikulturelle Sprecher beschränkt. Im Rahmen des dynamischen Prozesses der Identitätskonstruktion zeigt sich der türkisch-deutsch gemischte Sprachgebrauch als ein wichtiges Verfahren der kulturellen Codierung von Emotionen.
This essay observes the linguistic form of German-Turkish Mix Language as code of emotion on the basis of literature and spoken language. Mix Language is confined to the use of two Ingroup Languages by bicultural speakers. For the dynamic process of construction of identity the Turkish-German Mix Language turns out to be an important procedure for the cultural encoding of emotions.
Barbara von der Lühe: Spracherwerb im Pro und Contra studentischer Talkshows: Medienwissenschaft und Germanistik in China
Chinesische Studierende lernen bereitwillig Deutsch, um Kompetenz in dieser Sprache zu erlangen und um an der globalen Medienkommunikation teilzunehmen. Die Verbindung von Medienwissenschaften und dem Studium des Deutschen hat in China eine Zukunft. Der Erwerb von sprachlicher und medialer Kompetenz war der Schwerpunkt der Lehreinheit »Talkshow in Theorie und Praxis«. Ziel des Seminars war die Produktion von zwei zwanzigminütigen Talkshows unterschiedlicher Formate in deutscher Sprache, in denen es um das heutige soziale und kulturelle Leben in der Volksrepublik China geht. Das Hauptanliegen des Seminars waren Erwerb und Gebrauch der deutschen Sprache in geschriebenen Texten und mündlicher Präsentation. Ein weiteres Lernziel des Kurses war es, auf der Basis von Gruppenarbeit ein Projekt zu planen und umzusetzen.
Chinese students eagerly learn German to acquire competence in that language, and to participate in global media communications. The networking of media studies and German studies in China has a future. The acquisition of linguistic and media competence was the principal objective of the teaching unit »Talk show in theory and practice«. The aim of the seminar was the production of two 20-minute talk shows in the German language in different formats, focusing on current social and cultural life of the People‘s Republic of China. The main purpose of the talk show seminar was the acquisition and the use of the German language in written texts and oral presentation. A further purpose of the course was to practice the planning and implementation of a project on the basis of group work.
Sergül Vural-Kara: Deutsch-türkischer Sprach- und Übersetzungsvergleich von stilistischen Elementen
In diesem Artikel wird ein Übersetzungsvergleich von stilistischen Elementen auf der Grundlage des Sprachenpaars Deutsch-Türkisch vorgenommen. Die Problematik der Wiedergabe von sprachlichen Elementen, die den Stil eines Textes bestimmen, soll schwerpunktmäßig am Beispiel von solchen Lexemen dargestellt werden, die zur autorspezifischen Sprachverwendung zu zählen sind. Im Laufe der Untersuchung wird sich herausstellen, dass diese stilprägenden Elemente beim Übertragen in die Zielsprache nicht streng an der Ausgangssprache orientiert übersetzt werden können, sondern dem Sprachgebrauch der Zielsprache entsprechend vermittelt werden müssen.
In this article the translation of stylistic elements is discussed on basis of the language pair German-Turkish. The problematic of the translation of the lexeme choice, which marks the style of the text as well as the style of the author, is mainly researched. The analysis reveals that it is not possible to translate stylistic elements strictly source language-orientated but that they need to be adequately transferred to the language use of the target language.
Rezensionen
Jörg Jost: Topos und Metapher. Zur Pragmatik und Rhetorik des Verständlichmachens
Rezensiert von Eberhard Ockel
Björn Hambsch: »… ganz andere Beredsamkeit«. Transformationen antiker und moderner Rhetorik bei Johann Gottfried Herder
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Waldemar Czachur: Textmuster im Wandel. Ein Beitrag zur textlinguistischen Erforschung der Vereinssatzungen im 19. Jahrhundert
Rezensiert von Edyta Grotek
Beate Rues/Beate Redecker/Evelyn Koch/Uta Wallraff/Adrian P. Simpson: Phonetische Transkription des Deutschen. Ein Arbeitsbuch
Rezensiert von Eberhard Ockel
Gabriele Graefen/Martina Liedke: Germanistische Sprachwissenschaft. Deutsch als Erst-, Zweit- oder Fremdsprache
Hans Wellmann: Deutsche Grammatik. Laut. Wort. Satz. Text
Jule Philippi: Einführung in die generative Grammatik
Wilfried Kürschner: Grammatisches Kompendium. Systematisches Verzeichnis grammatischer Grundbegriffe
Rezensiert von Eberhard Ockel
Heidrun Kämper/Ludwig M. Eichinger (Hgg.): Sprach-Perspektiven. Germanistische Linguistik und das Institut für Deutsche Sprache
Rezensiert von Eberhard Ockel
