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Rezensionen

Hermann Zabel (Hg.) unter Mitarbeit von Andreas Disselnkötter und Sandra Wellinghoff: Stimmen aus Jerusalem. Zur deutschen Sprache und Literatur in Palästina/Israel (Deutsch-Israelische Bibliothek Bd. 2)

Berlin: LIT Verlag 2006, 440 S., ISBN 3-8258-9749-4, 29,90 €

Titel und Untertitel des Bandes 2 der Deutsch-Israelischen Bibliothek des in dem Bereich Judentum, Palästina, Israel besonders engagierten LIT Verlages umfassen aktuelle und interessante vielseitige Themen, die in die Teile »Sprache« und »Literatur« einbezogen sind. Die Publikation stützt sich auf das Lebenswerk des Professors Walter Arthur Berendsohn (1884–1984), dem der Herausgeber, Professor Dr. Hermann Zabel, verbunden bleibt, sowie auf Ergebnisse der Tagung in Jerusalem, die 2005 unter dem Titel »Zwischen zwei Stühlen? Deutsche Literatur, Sprache und Musik vor dem Hintergrund des israelisch-palästinensischen Konflikts« stattfand.

Genese, Bestand, Umfeld, Konkurrenz, Rezeption und Akzeptanz sind Differenzierungselemente, die zu einer wertvollen praktischen Gliederung der Teile »Sprache« und »Literatur« führen. So ist z. B. »Sprache« eingeteilt in: »Deutsch der Einwanderer aus Europa« und »Die Sprache der Einwanderer aus Osteuropa«; zwei Exkurse erläutern die Sachverhalte; der eine Exkurs handelt von den merkwürdigen Kontakten zwischen zionistischer Bewegung und NS-Deutschland (S. 185 ff.), der andere untersucht den »Bedeutungswandel von Holocaust und Auschwitz in Medien und Literatur« (S. 198 ff.).

Auch »Literatur« unterteilt sich in prägnante Einzelthemen, deren Inhaltsbogen von »Bibliotheken deutscher Einwanderer« bis zur »Deutschsprachigen Exilliteratur« reicht. Gerade in diesem Teil erweist sich das von Hermann Zabel herausgegebene Buch als Publikation von erheblichem Quellenwert und damit als Werkzeug zur weiteren Arbeit. Anregend ist auch der platzierte Wechsel der Textsorten – ein Wechsel zwischen Interview, Rezension und akademischem Vortrag.

Lectio continua ist sicherlich lohnend, Benutzung der in sich geschlossenen Einzeldarstellung in der Praxis eher empfehlenswert. Man kann die Publikation, die von Professor Zabel im Gefolge des erwähnten Jerusalemer Kolloquiums »komponiert« wurde, als Handbuch, als Kompendium, auch – im Gefolge von Walter A. Berensohn –

als »Sammelbroschüre« bezeichnen. Zabel hat nicht ein »Netzwerk« erfunden, sondern die von kompetenten Tagungsreferenten erarbeiteten Teilstücke zu einem Ganzen ergänzt und unter dem völlig zutreffenden Titel »Stimmen aus Jerusalem« zusammengeführt.

Das zu leisten entspricht nicht nur der Arbeitsweise eines sachkundigen Generalisten, sondern auch dem eindringlichen Suchen nach neuer gesicherter Erkenntnis, das Hermann Zabel, dem Spezialisten auf den Gebieten von Sprache und Literatur mit dem besonderen Interesse an Palästina/Erez Israel/Staat Israel, zu eigen ist.

Alle Teile des Werkes sind wertvoll. Besonders beeindruckt Kurt Reins »Welches Deutsch spricht man in Wien, welches in Czernowitz?« (S. 190).

Jürgen Nierands Beitrag »Deutsche Literatur in Israel« gibt umfassend Auskunft auch im Zusammenhang mit den Sprachenkämpfen in Palästina/Erez Israel/Staat Israel, welche man auch als Überlebenskampf des Deutschsprechens in Israel bezeichnen kann.

Mit dem Kapitel 5 des 2. Teiles »Verfilmungen deutschsprachiger Literatur« wird ein weites, bislang wenig erschlossenes Gebiet betreten.

Die Nachricht, »Stimmen aus Jerusalem«, herausgegeben von Hermann Zabel, werde eine zweite Auflage erfahren, bezeugt bisherige Akzeptanz und bleibendes Interesse des Verlegers an Israel in Bezug auf Kultur. Zu wünschen sind Anregungen der Leser an den engagierten Herausgeber.

Fritz Hofmann

 

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