Fragen und Antworten
[?] Immer wieder höre ich, dass Wörter mit der Buchstabenendung -ig wie z. B. lustig oder kräftig als lustich oder kräftich ausgesprochen werden. Ist das nicht eine umgangssprachliche Aussprache?
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Froschkönig oder -könich? Das ist hier die Frage! Foto: Linleo - Fotolia.com |
[!] In der Tat begegnet man häufig der Annahme, dass die Aussprache von -ig am Wortende als [ç] eine nachlässige, nicht korrekte Artikulation sei – und doch handelt es sich dabei um die regelhafte Aussprache: das Suffix -ig wird standardsprachlich im Wort- und Silbenauslaut als [ç] realisiert, z. B. Honig ['ho:n Iç], stetig ['ʃte:t Iç], wenig ['ve:n Iç]. Dies gilt auch für die Endung -wig wie in Ludwig oder Hedwig. Folgt auf das -ig ein Konsonant, spricht man ebenfalls [ç] freudigste ['froidIçstə], Richtigkeit ['rIçtIçkait], Honigkuchen ['ho:nIçkuxən]. Treten Wörter mit der Endung -ig in flektierter Form auf, so wird der Laut [ç] natürlich zu [g]: wenige Könige ['ve:nigə 'königə].
Es gibt allerdings auch Fälle, in denen -ig als Verschlusslaut [k] realisiert wird – nämlich dann, wenn auf -ig unmittelbar die Ableitungssilbe -lich folgt: lediglich [‘le:dikliç], ewiglich ['evikliç], königlich ['könikliç]. Dies geschieht aus Gründen des Wohlklangs: zwei Mal [ç] hintereinander soll vermieden werden. Diese Regel gilt ebenso für das Wort Königreich ['könikraiç] – hier spricht man ebenfalls [k], auch wenn nach der Endung -ig ein Konsonant folgt (Duden Aussprachewörterbuch; Großes WB der dt. Aussprache, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1982; SIEBS Deutsche Aussprache, WdG Berlin 1969, 19. Aufl.).
In der Alltagssprache und vor allem in süddeutschen Dialekten wird das Suffix -ig am Wortende und vor Konsonant zwar häufig als [Ik] ausgesprochen (z. B. blumig ['blu:mIk], häufig ['hoIf Ik]), diese Variante gehört jedoch der Umgangslautung an und entspricht nicht der Standardlautung.
Schlagworte: Aussprache, Phonetik


