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Fragen und Antworten

[?] Das Wort Frackigkeit ist mir geläufig; es gibt auch einige Treffer bei Google. Allerdings finde ich nichts in den einschlägigen Wörterbüchern von Duden bis Wahrig. Können Sie mir mehr dazu sagen?

[!] Besten Dank für Ihre interessante Anfrage, der ich gleich nachgegangen bin – weil mir dieser Ausdruck unbekannt war bzw. weil ich ihn nur auf das Kleidungsstück Frack bezogen hätte. Einem Kollegen, der das Rheinische gut kennt, war das Adjektiv frackig im Sinne von ›frech, boshaft‹ nicht fremd, und so vertiefte ich mich in die einschlägigen Dialektwörterbücher. Tatsächlich bringt Adam Wredes Neuer Kölnischer Sprachschatz (1956) die Lösung des Rätsels. Wrede verzeichnet das Stichwort Frack, ältere Schreibung Vrak bzw. in früheren Sprachstufen wraka, wraak, das im Grunde ›Rache‹ bedeutet.

Er bringt Beispiele wie »Ne Frack op eine han« = ›einem sehr böse sein, einem grollen, einen hassen‹ und »Einem jet zom Frack dun« = ›zum Trotz, Verdruss‹. Dazu gehört das Adjektiv frack im Sinne von ›rachsüchtig, böse, böswillig, trotzig‹. Und von frack gelangt man ohne weiteres und problemlos zur Form frackig und zum Substantiv Frackigkeit. Das Rheinische Wörterbuch von Josef Müller (2. Band, 1931) enthält denn auch das Stichwort frackig und erläutert es mit ›schroff, starrköpfig, feindselig, trotzig, neidisch, zänkisch‹, auch ›zäh im Handel‹ und ›eigensinnig‹. Der Wechsel in der Schreibung – wvf – ist sprachgeschichtlich öfter zu beobachten; hier wirken sich regionale Aussprache- bzw. Schreibgepflogenheiten aus, auf die ich hier nicht weiter eingehen kann.

Das Hauptwort Frackigkeit gemäß seiner ursprünglichen Form, nämlich wrakgiricheit, kann man übrigens finden im Mittelniederdeutschen Wörterbuch von K. Schiller/A. Lübben (5. Band, 1880, S. 776); hier wird die Ursprungsbedeutung ›Rachgier‹ angeführt (auf S. 775 wird wrake als ›Rache, Strafe‹ genannt). Heute wird, wie Internetbelege unter »Fr-« und unter »Wr-« zeigen, das Wort in weiterer Bedeutung gebraucht - ähnlich wie es im Rheinischen Wörterbuch dargelegt wird -, und der Bezug zu ›Rache‹ bzw. ›Bosheit, Bockigkeit, Trotz‹ ist immer erkennbar. Daneben kursiert das Adjektiv wrackig, wie es sich von Wrack ableitet, also im Sinne von ›wie ein Wrack, kaputt, zerstört, verfallen‹.

 

Schlagworte: Dialekt, Etymologie, Mundart, Sprachwandel

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