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Fragen und Antworten

[?] Wie erklärt sich eigentlich die doch nicht so seltene Wendung gang und gäbe? Liegen womöglich die Verben gehen und geben zugrunde?

[!] Diese Wendung, die spätestens seit Luther belegt ist, fußt tatsächlich auf den Verben gehen und geben, doch sind diese nur als Wurzel zu rekonstruieren.

gang ist als abgeleitetes Adjektiv mit der Bedeutung ›gangbar‹ aufzufassen – vgl. gängig. In frühneuhochdeutscher Zeit war das heute veraltete Wort gäng oder gänge/genge (mittelhochdeutsch geng) recht verbreitet und in der Bedeutung ›unter den Leuten umhergehend, verbreitet, gewöhnlich, leicht gehend, rüstig, bereit‹ vertreten; damals war »gänge sein« und »gänge werden« (›in Gang kommen‹) nicht selten. Es wurde insbesondere für Münzen gebraucht, im Sinne von ›gebräuchlich, geläufig, üblich‹, aber auch in anderer Weise (worüber man im Deutschen Wörterbuch, dem »Grimm«, viel nachlesen kann). Die Kurzform ohne Umlaut gang tritt als Variante hinzu; das heißt, anders betrachtet, die fragliche Wendung ist auch in der Version gänge und gäbe belegt.

Das zweite heute unübliche Wörtchen, gäbe, war ebenfalls im Mittel- und Frühneuhochdeutschen als Adjektiv geläufig (»gang und gäbe«, könnte man sagen), trug die Bedeutung ›annehmbar, lieb, gut‹, später ›was gegeben werden darf, annehmbar, brauchbar, gebräuchlich‹ und ist auf geben zurückzuführen (ähnlich: genehm – nehmen).

Beide Wörter – gang (gänge) und gäbe – sind heute nur noch in jener Wendung üblich; man sieht, dass Redewendungen ältere Sprachformen bis in unsere Tage bewahren.

 

Schlagworte: Etymologie, Phraseologie

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