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Fragen und Antworten

[?] In den schwäbischen Gedichten von Hans Lang, Schbatzaweisheit, lese ich ein Wort, das mir – und ich finde mich im Schwäbischen ganz gut zurecht – rätselhaft bleibt: Gog, Goge. Es ist eine Personenbezeichnung und wird insbesondere mit Beziehung zu Tübingen gebraucht, z. B.: »Do lacht der Gog.« Ich habe auch gehört, dass es Gogen-Witze gibt. Wissen Sie Näheres?

[!] Unsere süddeutschen Dialektwörterbücher geben schnell Aufschluss. Das Schwäbische Wörterbuch von Hermann Fischer (Band 3, 1911) kennt Gog bzw. Gage als »Bezeichnung für den Tübinger Weingärtner in gebildetem, besonders studentischem Munde«; die Gagerei ist in Tübingen die »›untere Stadt‹, der Wohnsitz der Gagen«.

Die Deutung aber bleibt unsicher. Erwogen wird von Fischer zwar eine Verbindung zu dem alttestamentlichen Fürsten Gog aus dem Lande Magog; dies bleibt jedoch fraglich, ist auch unwahrscheinlich, da es einige dialektale Ausdrücke gibt, an die Gog bzw. Gage viel plausibler anzuschließen ist. So sind bei Fischer schwäbisch Gagei (›ungewöhnlich großer Mensch‹) und Gagel (›langer, magerer Mensch‹) belegt, gagen meint ›hin und her schwanken, schaukeln‹ bzw. auch ›quaken‹ (von Fröschen), die Adjektive gagig und gagisch bedeuten ›ungeschlacht, ästig, stumpf‹ bzw. ›unbeholfen‹, und Gogk wird mit ›Posse‹ erklärt, gogeren und goglen meinen ›gackern, gocklen‹, auch ›herumzappeln; sich kindisch betragen‹. Im angrenzenden badischen Dialekt begegnen ebenfalls Gagel (›langaufgeschossener Mensch‹), gageln (›hin und her rutschen, schaukeln‹) und gagen bzw. gogen (›sich hin und her bewegen‹).

Eine Erklärung lässt sich vermutlich am ehesten über das Verb gauklen herstellen, das im Schwäbischen (so Fischer) ›etwas auf dem Rücken, auf den Schultern tragen‹ bedeutet; im Bairischen kommt gogkeln im Sinne von ›etwas auf dem Rücken tragen‹ vor (so das Bayerische Wörterbuch von J. A. Schmeller, 1872–1877). Ließe sich hier nicht an die Winzer, die Weingärtner denken, die bei der Lese die Trauben in der Kiepe schultern?

Dem Vernehmen nach ist Gog, Goge (nasal ausgesprochen) noch heute in der Tübinger Stadtsprache als Personenbezeichnung lebendig.

 

Schlagworte: Dialekt, Mundart

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