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Fragen und Antworten

[?] Mich würde die Herkunft des Ausdrucks Schmiergeld interessieren. In den mir zugänglichen Wörterbüchern finde ich nur das Wort verzeichnet, allenfalls mit der puren Definition ›Bestechungsgeld‹. Steht Schmiergeld in Verbindung mit dem Sprichwort Wer gut schmiert, der gut fährt?

[!] Der Ausdruck Schmiergeld – er ist schon seit langem belegt – lässt sich gut deuten – und ist wohl nicht auf Schmiere und Wagen, die Wagenschmiere also, zurückzuführen.

Das Wort kommt schon in längst vergangenen Jahrhunderten vor, dafür nur zwei Beispiele: »›Nun so borge ich Ihnen, was ich gestern nicht gethan hätte, vierzig Louisd‘or – hier nehmen Sie – damit können Sie das Post- – und die Einnahme von Ihren Gemälden dazu gerechnet, – auch das Schmiergeld bezahlen! – Und nun – leben Sie‹ – ich streichelte ihm das Kinn – ›recht wohl, armer gerupfter Sperling, und zaudern Sie nicht, um bald in die Federn zu kommen.‹ Er begleitete mich bis an den Wagen, weinte – küßte mir dankbar die Hand, und so schieden wir beide sehr gerührt von einander.« So zu lesen bei Moritz August von Thümmel, Reise in die mittäglichen Provinzen von Frankreich 1785 bis 1786 (1803). Und in Beethovens Reisetagebuch aus dem Jahr 1792 findet sich dieser Eintrag: »Abendessen 2 Gulden / in Limburg 12 Batzen / Trinkgeld 14 x / Schmiergeld 14 x / Trinkgeld für Postillon 1 Gulden.« (Nach Alexander W. Thayer, Ludwig van Beethovens Leben; 1. Auflage 1866.)

In beiden Fällen geht es um die Kutsche, den früheren Reisewagen, dessen Räder geschmiert werden mussten; schmieren ist in diesem Sinne ganz wörtlich zu verstehen; sich drehende metallische Teile müssen auch heute geölt bzw. geschmiert werden. So könnte es sich in diesen beiden Fällen konkret und nüchtern um das Geld für die Wagenschmiere handeln, nicht um das Bestechungsgeld.

Schmiergeld muss gewiss mit schmieren in Beziehung gesetzt werden, wobei sicherlich nicht das Wortelement Geld Schwierigkeiten aufwirft, sondern das grundlegende Verb schmieren.

Dass schmieren – ein mehrdeutiges Wort – u. a. ›jemanden bestechen‹ bedeutet, ist seit Jahrhunderten bekannt und wird von allen traditionellen deutschen Wörterbüchern belegt. Als charakteristisches älteres Beispiel, hier aus der Barockzeit, für schmieren und für Schmiergeld sei eine Stelle aus Johann Michael Moscheroschs Prosasatire Wunderliche und Warhafftige Gesichte Philanders von Sittenwald. Erster Teil (1642) zitiert: »›Mich wundert zwar nicht, sprach Schickot, was bei den Welschen geschieht, die solche Ämter und Stände mit vielem Gelde erkaufen müssen; – selten verrichtet der Richter sein Amt, ohne daß er sich schmieren läßt; warum? weil er selbst sich sein Amt durch’s Schmiergeld erkauft hat.‹« Eine Grimmelshausen-Stelle lautet: »Hingegen mußte ich auch spendieren und schmieren, um mich und meine Handtierungen zu beschützen« (Trutz Simplex: Oder Ausführliche und wunderseltzame Lebensbeschreibung Der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche; 1670).

Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm enthält wohl das Stichwort Schmiergeld, beschreibt es aber nur kurz mit ›Bestechungsgeld‹ und gibt einige Fundstellen an. Noch recht allgemein bleibt die Erläuterung der fraglichen Bedeutung von schmieren bei Kluge/Mitzka/Seebold, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (2002): »Seit dem 14. Jh. auch für ›bestechen‹, von der naheliegenden Vorstellung ›gleitend machen‹ ausgehend.«

Die Deutung von schmieren im Sinne von ›bestechen‹ bei J. Chr. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (1808) scheint zunächst plausibel zu sein: »[...] Jemanden die Hände schmieren, einen Richter, einen Advocaten schmieren, sie bestechen, Franz. grasser la patte; eine ohne Zweifel von dem Schmieren eines Wagens entlehnte Figur, zumahl da man den Satz, wer gut schmiert, der gut fährt, auch auf diesen Fall anzuwenden pflegt. Sich schmieren lassen, bestechen.«

Tatsächlich gibt es mehrere alte Sprichwörter in dieser Weise, und Wer gut schmiert, der gut fährt ist auch heute noch bekannt. Ähnlich ist gelagert alles geht wie geschmiert.

In diesem Sinne deutet auch der österreichische Schriftsteller Ferdinand Raimund das Wort – siehe Der Alpenkönig und der Menschenfeind (1828): »ALLE. Es geht nicht, Euer Gnaden, es ist nicht zum existieren. / SOPHIE. Nun, so nehmt dieses kleine Geschenk Sie gibt jedem einige Silberstücke. Und stärkt eure Geduld damit, vielleicht geht es doch. / ALLE. Ach! Wir küssen die Hand, Euer Gnaden. / KUTSCHER. Wir werden halt sehen, ob wir auskommen können mit ihm. / HABAKUK. Solang wir mit dem Geld auskommen, kommen wir schon mit ihm auch aus. /

[...] KUTSCHER. Euer Gnaden sind halt eine gscheide Frau. Ich sag immer, Euer Gnaden sind einmal ein Kutscher gwesen, weil Euer Gnaden so gut wissen, daß man einen Wagen schmieren muß, wann er fahren soll.«

Es scheint aber doch anders zu sein, so einleuchtend die dargelegte Beziehung zu sein scheint. Lutz Röhrich, der Adelungs Ausführungen sinngemäß einbezieht, führt überzeugend in seinem Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten (1991) aus: »Es geht wie geschmiert: es geht vortrefflich, ohne Stockungen. Obersächsisch sagt man: ›jemand liest wie geschmiert‹, also mühelos, ohne Anstoß und ohne steckenzubleiben. Die Redensart leitet sich vom Schmieren des Wagenrades ab. Dagegen [!] stammt die Redensart Einen schmieren: ihn bestechen, wohl eher von dem Einreiben der Hände mit Salbe her. Bei Sebastian Franck (I, 79 b) sind ›schmieren‹ und ›salben‹ getrennt, doch beide in gleicher übertragener Bedeutung verwendet: ›Die habend beide den Richter bestochen vnnd die hend gesalbet; also gadts, waer baß schmirwet, der fart dest baß.‹ Was unter der Salbe zu verstehen war, erklärt Freidank in seiner ›Bescheidenheit‹ (147, 17): ›pfennincsalbe wunder tuot, / sie weichet manegen herten muot.‹ / In Ottokars österreichischer ›Reimchronik‹ wird sogar von einer ›Handsalbe‹ berichtet, die ›vierzic tusent marc‹ betrug. Johannes Pauli rät 1546 in seinem Schwankbuch ›Schimpf und Ernst‹ (S. 20) geradezu: ›Ir solten einmal dem Richter die Hend schmieren oder salben.‹ Grimmelshausen benennt diese ›Salbe‹ sehr treffend in seinem ›Simplicissimus‹ (II, 80), wo es heißt: ›Durch was vor Schmiralia ich die Medicos persuadiren wollte‹, und an anderer Stelle (III, 407): ›daß beydes, der, so geschmiret und die, so des Schmiral angenommen, ihren Theil bekämen‹. Vgl. hierzu auch das Sprichwort ›Schmieren und salben hilft allenthalben‹. Die Redensart Ich will ihm was schmieren heißt: ich will ihm etwas extra geben; schon Grimmelshausen (›Springinsfeld‹) gebrauchte sie im Sinne von Trinkgeld, Bestechung, wenn er erzählt: ›Er schmierte mir sechs Reichsthaler.‹ [...] In Quellen des 17. und 18. Jahrhunderts, aber auch schon im Eulenspiegel-Volksbuch taucht oft der Schwank von dem Bauern auf, der das Schmieren wörtlich nimmt und dem Richter oder Advokaten die Hände mit Schmalz oder Butter einreibt, worauf die Frau des Gesalbten noch ein Stück Leinwand zum Abwischen verlangt.«

Ergänzend und bestätigend gibt das Mittelhochdeutsche Handwörterbuch von Matthias Lexer Auskunft: »einem die hant smirwen [= schmieren], ihn bestechen«! schmieren wird in diesem Zusammenhang mit salben verglichen. So scheint ursprünglich ein anderes Bild zugrunde zu liegen – das Schmieren bzw. Salben der Hände, um sie für eigene Zwecke weich und gefügig zu machen – und der Bezug zum Schmieren der Wagenräder (Wer gut schmiert, der gut fährt) sekundär zu sein.

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