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Internationales Symposion

»English only? Was wird aus Deutsch und den anderen europäischen Sprachen?«

»Die Gewalt einer Sprache ist nicht, dass sie das Fremde abweist, sondern dass sie es verschlingt«

Mit diesem Goethe-Zitat begann die Justizministerin des Landes Sachsen-Anhalt Prof. Dr. Angela Kolb ihre Rede. Den Deutschen sei die Bedeutung ihrer Sprache auf europäischer Ebene durchaus bewusst, denn die Bürgerinnen und Bürger wiesen das Neue, das Fremde nicht ab, sondern seien offen für ein gemeinsames Europa, eine Union unterschiedlicher Länder mit eigenen Kulturen, Traditionen, Sprachen und Rechtsordnungen und sie seien offen für den Regelungsbedarf auf europäischer Ebene. Eine Akzeptanz der Rechtsakte könne für die Zukunft aber nur dann erwartet werden, wenn eine breite Öffentlichkeit sprachlich und inhaltlich versteht, was, warum und wie geregelt wird. Obwohl Deutsch in der EU die am meisten gesprochene Muttersprache und zweitwichtigste Fremdsprache ist, müsse angesichts der Tatsache, dass wichtige EU-Dokumente, Webseiten etc. nicht mehr in die deutsche Sprache übersetzt werden, jedoch befürchtet werden, dass diese breite Öffentlichkeit das Interesse und das notwendige Verständnis für politische und rechtliche Maßnahmen verliere. Als beispielhaftes Vorhaben, dem entgegenzuwirken, führte die Justizministerin die geplante Novellierung des Nachbarschaftsgesetzes in Sachsen-Anhalt an, das zusammen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache in eine verständliche Rechtssprache umgesetzt werden solle. In der Europäischen Union gelte es ferner, das Deutsche, Muttersprache von 90 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürgern, als gleichberechtigte Amts- und Arbeitssprache neben Englisch und Französisch zu stärken. Hier sei die Politik gefordert.

Brüssel als interessante Stadt, um über Sprache zu sprechen



Prof. Dr. Madeline Lutjeharms, Vrije Universiteit Brussel und Zweigleiterin der GfdS in Brüssel; Foto: Frauke Rüdebusch

Eröffnet wurde das Symposion unter der Beteiligung von mehr als 300 Teilnehmenden am Donnerstag, dem 6. November 2008, von Prof. Dr. Rudolf Hoberg, dem Vorsitzenden der GfdS und des Deutschen Sprachrats. In seiner Rede hob er einige wichtige aktuelle sprach- und kulturpolitische Aspekte des Tagungsthemas hervor. Prof. Hoberg konstatierte, dass sich eine wachsende Sensibilität von Politikerinnen und Politikern für Sprachfragen feststellen lasse, denen immer mehr bewusst werde, dass zurzeit entschieden wird, welche Rolle die deutsche Sprache in der Welt, in der Europäischen Union und in Deutschland selbst spielen wird. Nicht nur die Diskussionen um die Rechtschreibreform, um Anglizismen oder um einen angeblichen Sprachverfall trügen dazu bei, dass das Interesse der Bevölkerung an Sprachen und insbesondere an ihrer Muttersprache sehr groß sei. Wie schon Steven Pinker einleitend in seinem Bestseller Der Sprachinstinkt bemerkte: »Ich bin noch nie jemandem begegnet, der sich nicht für Sprache interessiert«.

»Wie denken die Deutschen über ihre Muttersprache und über Fremdsprachen?«

Prof. Dr. Rudolf Hoberg hielt den Eröffnungsvortrag zur Tagung, in dem er eine aktuelle repräsentative Umfrage der Gesellschaft für deutsche Sprache in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sprachrat vorstellte, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach.1 Ein wesentliches Ziel der GfdS sei es, zu ermitteln, »wo die Deutschen sprachlich der Schuh drückt«, um auf dieser Grundlage Impulse in die Sprachgemeinschaft hineinzutragen, sie zu beraten. Unter dem Titel »Wie denken die Deutschen über ihre Muttersprache und über Fremdsprachen?« stellte Prof. Hoberg die vor Kurzem erhobenen Einstellungen der Deutschen zu ausgewählten sprachlichen Themen vor. Die Fragen bezogen sich unter anderem auf die Grundeinstellung der Deutschen zur deutschen Sprache und deren Entwicklung, ihr Urteil über die eigenen Deutschkenntnisse im Vergleich zu den tatsächlich ermittelten (Rechtschreib-)Kenntnissen, Aussagen zur Rechtschreibreform, den Gebrauch bzw. die Vermeidung tabuisierter Wörter sowie die Präferenzen von Frauen und Männern bei Anredevarianten. Berücksichtigung fanden bei der vorgestellten Umfrage außerdem die Beliebtheit der deutschen Dialekte und von Fremdsprachen in der Bevölkerung, die Einschätzung der eigenen Fremdsprachenkenntnisse sowie Empfehlungen der Befragten für zu unterrichtende Fremdsprachen. Auch zur Einstellung der Deutschen gegenüber Anglizismen und zur Rolle des Deutschen in der Europäischen Union liegen neuere Ergebnisse aus der Umfrage vor. Der Referent stellte die These auf, dass das Interesse der Öffentlichkeit und insbesondere der Medien an Sprachfragen zwar sehr groß sei, das Interesse der Sprachwissenschaftler am Interesse der Öffentlichkeit jedoch äußerst gering. Darüber sei die Öffentlichkeit jedoch keineswegs betrübt oder verärgert, interessiere sie sich doch umgekehrt überhaupt nicht dafür, was die Sprachwissenschaft tut. Nach dem Vortrag wurde die kürzlich im Dudenverlag erschienene Broschüre mit den wichtigsten Ergebnissen der aktuellen Untersuchung an die Teilnehmenden ausgegeben. [weiter …]


[1] Die Broschüre zur Studie wurde herausgegeben von: Prof. Dr. Rudolf Hoberg und Dr. Karin M. Eichhoff-Cyrus (Gesellschaft für deutsche Sprache) sowie Dr. Rüdiger Schulz (Institut für Demoskopie Allensbach); Dudenverlag, Gesellschaft für deutsche Sprache; Wiesbaden 2008.

 

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Dr. Stephan Walter, Germersheim
Bildungsfrühling, Bologna-Prozess und Europäischer Referenzrahmen. Aktuelle Lexik und die Möglichkeiten ihrer Übersetzung.

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Prof. Dr. Dr. Georg Schuppener, Leipzig
Die Sprache des aktuellen Rechtsextremismus

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Das Symposion wurde veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sprachrat und dem Goethe-Institut Brüssel

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Das Symposion wurde gefördert vom Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann [mehr]

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